Der Dachsenfranz lebt….

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Gestern, am 20.03.2015, war es soweit: der lang ersehnte Besuch der Dachsenfranz-Brauerei in Zuzenhausen mit anschließendem 5-gängigem Biermenü im zugehörigen Brauereigasthof fand endlich statt. Zehn Slowfoodies wurden von Geschäftsführer Wilhelm Werner in seinem Familienunternehmen willkommen geheißen und im Rahmen eines über 1-stündigen Rundgangs durch das Unternehmen in die Kunst des Bierbrauens eingeführt.

Die Dachsenfranz-Brauerei wird von Wilhelm Werner, seiner Familie und Mitarbeitern in 6. Generation geführt. Schon 1832 wurde an dieser Stelle, noch unter dem Namen Adler-Brauerei, erstmals Bier gebraut und Gäste im angeschlossenen Wirtshaus bewirtet. Erst 1993 wurde das Unternehmen zur Dachsenfranz-Brauerei umbenannt. Der Namensgeber Dachsenfranz war ein Mailänder Soldat, der an der Seite Garibaldis für die Einigung Italiens (1861) kämpfte, aber aufgrund von Streitigkeiten mit seinem Vorgesetzten das Land gen Norden fliehen musste. Er fand seine Zuflucht letztendlich im Kraichgau und wurde dort bekannt und bewundert für sein geheimnisvoll-abgeschiedenes Leben in Erdhöhlen des Waldes, für seine sagenhafte Fähigkeit der Raubtierjagd – daher der Name Dachsenfranz – und insbesondere Bekämpfung von Ratten- und Mäuseplagen; er war somit gern gesehener Helfer für die lokalen Müller und ein Faszinosum speziell für Kinder.

Die Dachsenfranz-Brauerei ist eine der wenigen verbliebenen deutschen Familien-Brauereien, die noch in handwerklicher Tradition Bier brauen. Über 70% des deutschen Biermarktes sind heute in Besitz von nur 10 Konzernen. Wilhelm Werner setzt daher voll auf handwerkliche Braukunst und Regionalität seiner Biere: vom Halm zum Glas legen seine Zutaten weniger als 100km zurück (!); es sind 7 lokale „Kraichgaukorn“-Bauern, die ihre Gerste für das Bier beisteuern, natürlich rückverfolgbar in jeder Charge und nach überprüften Qualitätskriterien (z.B. zu 100% ungespritzt). Die Mälzerei steht in Schriesheim, der Hopfen kommt aus der Hallertau oder aus Tettnang, das Wasser aus Zuzenhausen… Die Produktion verzichtet auf die in der Bierindustrie übliche prozessbeschleunigende Unterstützung durch Wärme und/oder Druck – das Bier gärt in offenen Becken und hat anschließend in Lagertanks bei Temperaturen von 0-2°C die Reifezeit von 40 – 60 Tagen, bis es auf die Flasche abgefüllt wird. Industriell arbeitende Brauereien erlauben dafür maximal 14 Tage. Dachsenfranz produziert unter- und obergärige Biere, also Pils, Kellerbier, Dunkelbier, Weizenbier, Bockbier und jahreszeitliche Spezialitäten wie Märzen, Jahrgangsbier und Weihnachtsbier. Abgefüllt in sympathischen und stylischen Bügel-Mehrwegflaschen, die beim Öffnen so typisch „ploppen“, oder natürlich für Großabnehmer in Fässern.

Gegen Ende der sehr informativen Führung passierten wir tief im Keller einen höhlenartigen Nebenraum, aus dem uns eine Stimme – nach Aussagen von Wilhelm Werner die des Dachsenfranz – nochmals herzlich willkommen hieß und uns einlud, im angrenzenden Raum zu „zwickeln“ – eine nähere Erklärung dazu verbietet sich an dieser Stelle. Wer Genaueres wissen will, muss eine Führung in der Dachsenfranz-Brauerei mitmachen (www.dachsenfranz.de) und selbst feststellen: der Dachsenfranz lebt !

Nach der „Arbeit“ dann das Vergnügen: im angrenzenden Gasthaus erwartete uns eine nett dekorierte Tafel und vor allem ein 5-Gänge Biermenü, will heißen, jeder einzelne Gang – sogar das Dessert ! – war mit Bier und/oder seinen Bestandteilen zubereitet und zu jedem Gang wurde das passende Dachsenfranz-Bier ausgeschenkt. Eine ganz besonders passende und vor allem äußerst schmackhafte Idee, kamen doch auch die sonstigen Menü-Bestandteile von uns bekannten Genusshandwerkern (Metzgerei Ohr aus Sinsheim-Dühren, Ziegenkäsehof Nussloch, Freudensprungs Hofladen Dielheim, Mühlenbäcker in Zuzenhausen…) – das war so richtig slow ! Ein gelungener Abend; Mitleid für alle, die nicht dabei sein konnten!

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Eingeordnet unter Erzeugerbesuch, Genusshandwerker, In eigener Sache, Kulinarisches

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