Südtiroler Episoden – Teil 2/2

Trento (oder „Trient“): Eine Stadt mit 104.000 Einwohnern
Wir sind ins Trentino ausgeflattert, weg von Südtirol, Schlutzkrapfen und Törggelen. Die Peripherie sieht nicht berauschend aus, dafür überzeugt die Innenstadt umso mehr. Wir sehen uns ein paar Kirchen inklusive dem Dom (sehr düster) an und staunen. So sieht also eine Stadt aus, die laut dem „Il Sole 24 ore“ (führende Wirtschaftszeitung) im Jahr 2007 die höchste Lebensqualität Italiens hatte. Aha-aha.

Domplatz mit Neptunbrunnen

Trienter Domplatz mit Neptunbrunnen

Mein Freund jauchzt aufgrund der italienischen Straßenverhältnisse „Endlich ist mal wieder was los hier!“ Kaum hat er das gesagt, wird er von einem überdimensionierten Jeep geschnitten bzw. dieser drängelt sich vor uns wieder rein, dass mein Freund gleich lachend loshupt „Aaaaaaaaaaaaaaah ecco ci siamo“ und das passende „Che ca*** stai facendo!?“ gestikuliert.

Der Espresso schmeckt wieder anständig. Weder zu sauer-verbrannt, noch zu wässrig, sondern einfach nur samtig-gut. Und die Mode in den Geschäften sieht hier auch wieder so sehr nach Mode aus, bei der man sich als Deutsche regelmäßig wie ein Bauerntrampel fühlt und die Dichte an hochpreisigen Läden lassen uns staunen. Etwa 5 Klamottenläden in Reihe mit Pullovern jenseits der 4(!)stelligen Schallmauer. Etwa 10 Schuhgeschäfte mit Preisen zwischen 150-300 Euro und so weiter und so fort. und mittendrin ein paar Südtirolerinnen, die gefühlte 20 Tüten pro Person mit sich rummschleppten und mit glasigem Blick irgendwie nach Kaufrausch aussehen.

Zwischendurch sind wir (Donnerstag) noch in einen Wochenmarkt mit Klamotten reingerutscht. Herrlich… Kaschmirpullis made in Trento und Kalblederstiefel aus vergangenen Saisons. Hachja…und kein Chinese weit und breit, der mir seine Fernostware unterjubelt. (Zumindest hoffe ich inständig, dass es nicht nur die letzte Naht in Italien das „made in Italy“ ausgemacht hat). Mein Verlobter steht abseits… ich inmitten einem Kaschmirstrickjackenhaufen ein paar wildgewordene Frauen um mich rumm, die mich in ihren Rausch mitziehen.

„Ach kuck mal, die ist aber toll. Wie findest Du die?“
„Mhm. Nett.“
„Und die? Die ist ja cool geschnitten“
„Mhm. Sagmal warum seh ich hier eigentlich keine Männer?“ Gequältes Lächeln seinerseits.
Mir wird bewusst, was er meint. Jetzt steht er abseits und daddelt.
„Kuck doch maaaaaal… fühlt sich aber schon toll an, oder?“
Er blickt kurz auf: „Mhm. Hast Du sowas nicht schon?“
Falscher Satz. Das war der falsche Satz, weil er auch noch Recht hatte!
Och menno… den schönsten Marktrausch wird einem so versaut.
Wir laufen weiter. Adieu ihr Kaschmirschönheiten …

Zum Mittagessen landen wir im „Il Libertino“. Einem von außen unscheinbaren Lokal, jenseits der Etsch, aber wieder einmal ein Wurf aus dem „Osterie d´Italia 2013“. Ja Hallihallo. Eine Art schlichtes Gewölbe mit alten edlen dunkelbraun-schwarze Holzvertäfelungen. Italien, hier sind wir wieder…! Ein genießen warmen (!) Radicchiosalat mit Nüssen und Gorgonzola-Bechamel-Creme.
Wieder ein Fall von: Ich mag eigentlich keinen Radicchio, aber hier dann doch! Das liegt wohl daran, dass es sich hierbei um den überaus feinen „Radicchio di Treviso tardivo“ handelt, der sehr filigran gewachsen ist und auch feiner im Geschmack ist, als den bei uns landläufig bekannten „Radicchio“, der einfach nur bitter-bitter-bitter ist.

Mein Verlobter bestellt sich „spaghetti di castagne con sugo bianco al coniglio“ Dunkle Kastanienmehlspaghetti mit weissem Kaninchensud. Hört sich unspektakulär an, ist aber der Himmel auf Erden. Und ich vergnüge mich mit Baccala (Stockfisch) mit Polenta, dazu einen Gewürztraminer aus der Gegend. Alles sehr sehr gut, aber das Kastanienspaghetti-Probiererle hat mich dann doch vor Neid erblassen lassen. Ich dachte das schmeckt alles viel süßer (schlechte Erinnerungen an zu süßes Kastanienpürre?), wars aber überhaupt garnicht…

Zu Guter letzt probieren wir ein Tris von verschiedenen Desserts. Schokoladenmousse mit pikanter Orangensoße, Kastanienpuree mit frische Kakisoße (unglaublich-unglaublich-unglaublich saugut!!) und dann noch ein fluffiges Kastanieneis mit Kastanienmousse. Beim kurzen Gespräch mit dem Kellner reden wir über Slowfood. Er nickt und meint, dass Abends noch 40 Slowfoodmitglieder ein Essen bei ihm veranstalten würden. Sie hätten zwar noch nicht genau gesagt, was es gäbe….Er kuckt uns fragend an… fast als ob er fragen wollte, ob wir nicht auch kommen wollten. Aber wir winken dankend ab. Nach so einem Mittagessen kann man abends nur noch „dieta“ machen, sonst rollt man mit 5 kg Mehrgewicht nach Deutschland zurück. Wir reden noch über das Piemont – und bevor wir den Mund aufmachen können, sagt er, dass das es dort auf der gastronomischen Seite zweifelsohne „veramente eccezionale“ sei.

Und so vermissen wir gemeinsam das Piemont. Den weissen Trüffelgeruch. Die Tajarin. Den Barbera. Achja.. nächstes Jahr dann wieder…

Aber unser Fazit zu Südtirol/Trentino:

1. Wir haben 0 kg zugenommen trotz Schlutzkrapfen und diversen „Schwergewichten“.

2. Wir kommen wieder.

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Eingeordnet unter Erzeugerbesuch, Genussführer, In eigener Sache, Slow Travel / Reisen, Wo wir gerne essen

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