Ein Männlein steht im Walde… ganz still und stumm… und der König der Pilze

Also wenn das mal kein Pilzglück war, dann weiss ich ja nicht. Man könnte mich auch Glückspilz nennen…Ein Steinpilz, der auf uns gewartet hat.

In Begleitung der Tante meines Verlobten, einer geprüften Pilzsachverständigen, läuft man doch denkbar entspannt mit dem Rotkäppchenkorb und Messer durch den Wald. Da erkennt man dann auch Teufelstrompeten, Schnecklinge (unglaublich glibberig) und Rotfußröhrlinge und hat keine Angst vor einer Pilzvergiftung. Alleine würde ich mich ja nie trauen Pilze zu sammeln, um sie hinterher zu verspeisen. Aber so…. alles in Butter.

Man glaubt es kaum, was man da mitnehmen darf. Violette Pilze, grüne Pilze, braune Pilze, weisse Glibberpilze und schwarze unglaublich giftig aussehende Pilze. Und zu guter Letzt haben wir sogar 4 Steinpilze gefunden.

Der schönste und größte Steinpilz war ein echter Trümmer.

Der aufgeschnitten Riesen-Steinpilz

Die Pilzhaufen, die wir dann geschnipftelt hatten hatten alle Farben wie man sieht…

Bei der Gelegenheit fällt mir auch wieder das Piemont mit seinen weissen Alba-Trüffeln ein. Oh Piemont… Piemont… oh Wiege des Slowfood…

Wenn das Klima dort ähnlich feucht-warm ist, wie hier, dann wird das dort wohl ein gutes Trüffeljahr werden. Ein paar Mal waren wir schon dort, in Alba, auf der Suche nach dem Tuber Magnatum Pico. Also nicht, dass wir im Boden rumgewühlt haben, wie ein Trüffelhund. Aber so einen weissen Trüffel sollte man sich nicht entgehen lassen, am Besten im Restaurant.

Nur auf der Trüffelmesse kaufen, das sollte man eher lassen. Davon haben uns sehr viele Einheimische abgeraten. Da steht dann selbst in der Zeitung als Überschrift „Wenn wir in Alba so viele weisse Trüffel hätten, wie auf der Messe verkauft werden, dann müssten die Trüffel wie Kirschen auf den Bäumen wachsen.“ Will heißen: Auf der Trüffelmesse liegen dann zwar Trüffel, vielleicht sogar auch gute. Aber die Tricks mit denen Trüffel aus Albanien, Rumänien, Kroatien und Co unter die Leute gebracht sind, sind dann doch unsäglich. Man hört von „Mit Trüffelöl eingeschmiert, damit er riecht“. „Wurmlöcher, die mit Erde vollgeschmiert werden“, damit er auf der Waage mehr Gewicht hergibt. Und was man auch nie vergessen sollte: „Finger weg von Trüffeln, die nach Seife riechen. Die haben ihren Zenit längst überschritten“.

Genauso hört und liest man von gestohlenen und umgebrachten Trüffelhunden. Von nächtlichen Trüffelsuchereien durch den Wald der Langhe. Von „Tartufai“ die ihren Kindern erst am Sterbebett verraten, wo die besten Trüffel zu finden sind. Und vielen vielen absonderlich-skurilen Geschichten, die allesamt nur zeigen: Das Trüffelgeschäft bedeutet Geld, viel Geld. 3000 Euro für ein Kilo weisser Trüffel kann schon passieren – aber wer kauft schon ein Kilo weissen Alba-Trüffel?

Wer aber jemals im nebligen oder auch sonnigen Herbst in ein Trüffel-Restaurants in und um Alba gegangen ist und den Trüffelgeruch in der Nase hatte, bevor die Tür geöffnet wird, der weiss wovon  ich rede. Wer nie einen Trüffel gegessen hat – und dann mit einem weissen Trüffel im Piemont beginnt, wird hinterher bei jedem Sommertrüffel ungläubig das Gesicht verziehen. Denn wo ist denn da bitteschön der Geruch und Geschmack? Die Messlatte ist nach einem Alba-Trüffel weit oben. Das Problem liegt dann nur noch an der Brieftasche… Aber einmal im Jahr inmitten der Langhe, da kann man ja schonmal einen kleinen essen. Einen Trüffel sollte man auf jeden Fall schlicht essen. Entweder über ein Spiegelei gehobelt, oder über Carne Cruda oder über einen Teller Tajarin. Aber BITTE nicht in Tomatensoße werfen, wie ich es schon gehört habe. BITTE NICHT!

Himmlisch ist das Gefühl, wenn man inmitten der Langhe (einer wirklich atemberaubenden Hügellandschaft in der die besten Weinsorten Italiens wachsen) im Herbst auf die entfernten schneebedeckten Alpen sehen kann.

Meine persönlichen Tipps für ein paar Tage im Piemont:

a) Man fahre in die Langhe in der Nähe von Alba (zur Trüffelmesse), suche sich ein kleines bed+breakfast, ein Agriturismo oder eine Wohnung und quartiere sich dort ein. Cascina Corte  (ein sehr charmantes und kultiviertes Bio-Winzer-Ehepaar Amalia Battaglia und Sandro Barosi versorgen einen mit allerallerbesten Gastronomietipps und Dolcetto), Villa Bracco (auf dem Weingut Ca´Viola) und das Relais Einaudi (Weingut Einaudi) sind schonmal sehr gute Ausgangspunkte in Dogliani. Die Ausblicke sind von Dogliani aus nur „normal atemberaubend“ und nicht so abartig wie aus Monforte d´Alba oder La Morra (wo man stundenlang gebannt auf die Alpen kuckt und den Mund nicht mehr zubekommt) – und man findet in Dogliani mehr Dolcetto als anderswo, dafür wuseln nicht dauernd Touristen um einen rumm. Auch Barolo ist zwar ein echt süßes Dörfchen, aber die große Zahl Reisebusse, die dort täglich einfallen sind an manchen Tagen kaum zu ertragen. Apropos Dolcetto: Wenn Sie jemals mit jemandem unterhalten und Dolcetto das Thema ist: Dann behaupten Sie BITTE nicht lapidar pseudofachmännisch, dass Sie süßen Dessertwein nicht mögen. Bitte nicht!

b) Man finde den subjektiv besten Wein, den man bei hunderten von Winzern oder Enoteche verkosten konnte und setze sich mit diesem auf eine Terrasse mit Ausblick auf die malerischen rot-orange-gefärbten Weinhügel und blicke auf die schneebedeckten Alpen und die Südseite des Matterhorns (Monte Cervino).

Ob der heißgeliebte Wein tatsächlich ein Barolo ist, oder ob man eher mit Barbera, Barbaresco oder Dolcetto glücklich wird, ist eigentlich egal. Mein persönlicher Favorit ist ein Barbera aus Monforte d´Alba aus Trauben von 70-Jahre-alten Reben von Rocche dei Manzoni – oder ein Barbera von Giacomo Conterno. Aber es gibt ja ohnehin nichts Subjektiveres als Wein.

c) Dazu ein Teller frische (!) Tajarin, ein wenig frische Butter und gehobelter weisser Trüffel.
Simpel – aber absolut nicht zu toppen.

d) Wenn dann noch was reinpasst: „Un cigno“ (sprich „tschinijo“, also ein Schwan) und  „un fungo“ (ein Pilz, diesmal nur süß) aus der Pasticceria Dellaferrera in Dogliani dazu. Himmlisch himmlisch himmlisch.

Un cigno (ein Schwan)

Anbei ein paar Tipps, die man keinesfalls bei einem Trip in die Langhe versäumen sollte:

Trattoria della Posta etwas außerhalb von Monforte d´Alba. Man sitzt am prasselnden Kamin, draußen liegt im Nebel der Weinberg zu Füßen und man genießt möglicherweise ein Glas Nebbiolo d´Alba (von „Nebbia“ = Nebel), also mit derselben Traube, aus der auch Barolo gemacht wird und dazu ein himmlisches Menü. Ganz großes Kino.

Osteria Battaglino in Dogliani, ein eher schlichtes Lokal an der Piazza mit einer sehr großen Leidenschaft beim Kochen, die man selten sieht…

Und wenn die Reisekasse stimmt, dann miete man sich in der Villa Beccaris in Monforte d´Alba ein und frühstücke in der (für mich) unglaublichsten Limonaia der Welt mit einer der atemberaubendsten Aussichten des ganzen Piemont. Wenn nicht: Dann einfach mal so reinlaufen und sich diese Pracht auf Stelzen als interessierter Gast in spe ansehen.

Wer das alles schon längst kennt, wer schon in Alba, Bra, Cuneo, Torino (Schokoladenhauptstadt!) und der Slowfood-Uni war, wer Terra Madre, Salone del Gusto und Eataly längst kennt, dem empfehle ich einen Ausflug in das schnucklige Städtchen Savigliano und natürlich den Verzehr einer Piemonteser Finanziera mitsamt Hahnenkam und anderen (für den Normalogaumen) ungewöhnlichen Zutaten.

Achja doch noch so eine Episode:

Man sitzt im Piemont beim Friseur und kommt ins Gespräch… Ja wo bekommt man denn jetzt guten Trüffel, wenn das auf der Trüffelmesse nix taugt und man niemandem dort vertrauen kann? Aha, jeder hat so seine „Bekannten“. Aha. Und wie kommen wir an einen „Bekannten“ ran? Wir sprechen mit einem 20jährigen, der auf dem Warteplatzsofa im Friseur sitzt. Ja also der Vater seiner Exfreundin, der hätte nen Trüffelhund. Da könnten wir schon anrufen, aber er möchte unerwähnt bleiben, da er ja der Exfreund ist und alles etwas kompliziert ist. Also rufen wir an. Winden uns hin und her, wer uns die Telefonnummer gegeben hat. Ähh.. also .. äh… den Namen hätten wir vergessen. Schließlich verabredet man sich mit diesem Unbekannten, beschreibt sein eigenes Auto und trifft sich auf der Piazza in Monforte und fährt dem bis obenhin dreckverschmierten Auto hinterher und ehe man sich versieht sitzt man in einer privaten Küche, der kleine Trüffelhund bellt wie wild und die Kühlschranktür wird geöffnet. Oh là là. Zwei riesige Gläser werden rausgezogen: Einmal schwarze Trüffel, einmal weisse Trüffel – von riesigen Brocken in Tennisballgröße bis kleinen Krümeln. Alles da. Noch schnell die Waage auf den Tisch, man schluckt beim Preis und läuft doch mit seiner Trophäe davon, wie ein stolzer Hund der einen frischen Knochen im Maul hat.

Aber zurück auf den Boden der Tatsachen zurück in den Kraichgau.

Das Pilzragout aus Gaiberger Pilzen zu Pappardelle waren himmlisch! Und als regionale Trophäe ein Steinpilz war definitv auch viel wert. Und definitiv slow!

Achso. Vor Risiken und Nebenwirkungen wollte ich ja noch warnen.

1. Niemals Pilze ohne einen Fachmann/Fachfrau sammeln und verzehren. Das kann böse ausgehen.

2. Fernweh und Appetit sind Nebenwirkungen, die die Autorin nicht zu vertreten hat.

P.S.: Vor einem Trip in die Langhe würde ich in Alba in der Touristeninformation vier kleine hervorragende Führer bestellen: (Entweder kostenlos, oder jeweils vielleicht 2-3 Euro): „Osterie e locali tipici“, „luoghi del gusto“, „dimore di charme“ und „charming hotels & restaurants“. Bei info@turismodoc.it oder Tel +39 0173 366328

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Buchempfehlung, Ernährung, Gemeinsam Kochen, Genusshandwerker, Kulinarisches, Slow Travel / Reisen, Wein, Wissen & Genuss, Wo wir gerne übernachten

Eine Antwort zu “Ein Männlein steht im Walde… ganz still und stumm… und der König der Pilze

  1. Also, diesen violetten Exemplaren hätt ich auch nie über den Weg getraut. Hübsch sind se aber!

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