Oh Comer See….

…….wie bist du schön!

Da hat man im Urlaub eigentlich massig Zeit zum Bloggen … aber dann ist man derart „gestresst“ von kochen, essen, Villenkucken, dass einem gar keine Muse bleibt, um sofort die besten Geheimtipps festzuhalten… daher hier eine nachträgliche, kleine, private Zusammenfassung:

Erstmal vorweg. 8 Tage Regen und dann Sonne am Abreisetag sind hundsgemein!

Aber was bleibt sind die atemberaubende Ausblicke aus unserem Appartment in Lezzeno, in einem Dorf in das sich kaum ein Tourist verirrt. In dem die Leute noch beim Vorbeigehen jedes mal ´Buongiorno´ oder ´Buonasera´ sagen und einen nett und interessiert anlächeln und man in der Bar Tita die allerschönste Eulensammlung der Welt auf dem Kaminsims stehen sieht, während man am Cappuccio nippt und den Brioche con marmellata reintaucht und sich trotz Schei*wetter ganz zufrieden fühlt. Eh vabbè … non iniziamo di parlare della crisi. Die Wirtschaftskrise hat Italien eiskalt erwischt und selbst die Bettler in Mailand auf der Strasse bekommen zu hören. „C’è la crisi, mi dispiace.“ (Es ist gerade Krise, tut mir leid).

Aber zurück zum Comer See.
Was absolut unverzichtbar ist als Frau: Den Namen „Geeeeorge“ hauchen und dabei glasige Augen bekommen, sobald man Richtung Laglio zur Via Regina Teodolinda blickt und sich vorstellt wie George Clooney in der Villa Oleandra auf seine –  hoffentlich auch verregneten ! – Terrasse blickt, seinen komischen Kapselespresso schlürft und sich über das Wetter genauso ärgert. Sogar bei einer Führung durch die Villa del Balbianello (sehr sehenswert!!) raunzt die Führerin den weiblichen Zuhörerinnen zu, dass sie ihn auch schon gesehen habe. Sie faltet für einen Moment die Hände, sieht mit verklärtem Blick nach oben wie eine andächtige Madonna und sagt, dass er auf seiner Harley an ihr vorbeifuhr und meint dann ganz unmadonnenhaft: „Sentite… che figo….“ Aber das übersetz ich jetzt besser nicht. Nur so viel sei gesagt: Er scheint eine sehr gute Figur dabei gemacht zu haben. Und „la bella figura“ ist in Italien bekanntermaßen unverzichtbar.

Aber jetzt endlich!
Essen.
Kulinarik.

Drei Tipps die man nicht versäumen sollte:

1. Die Baita Belvedere („Almhütte Schönblick“) in der Frazione Chevrio weit oberhalb von Bellagio. Ein himmlischer Ausblick, herrliche Hausmannskost zum absolut fairen Preis. An den Kühen laufen wir hungrig vorbei und freuen uns auf Polenta und himmlisches Kaninchen. Alles für keine 9 Euro. danach noch ein Stück Miascia (ein überaus saftiger Buchweizenkuchen mit diversem Trockenobst) und im Verkaufskühlschrank vor dem Eingang findet sich noch eine herrliche rote Zwiebel-Marmellata (aber auch diversen Käse etc.) mit der man toll gewappnet ist für den nächsten Ziegenkäse.

2. Den passenden Ziegenkäse (in jeglichem Reifestadium) und weiche aromatische Ziegensalami bekommt man vom Ziegenkäsehof und Agriturismo „Madonna dei Ceppi“ in Lezzeno. Der Käseverkauf befindet sich direkt an der Durchgangsstrasse. Zum Einlass das Klingeln nicht vergessen!

Was wir leider nicht getestet haben ist der zugehörige Agriturismo oben am Berg im Wald (rechts abbiegen Richtung Cendraro Monte – dann den Berg rauf bis zur Località Morbia, die letzten Meter kann man nur zu Fuss zurücklegen) der primär Sonntags für Wochenendtouristen geöffnet hat oder auf Bestellung (für mindestens 6 Personen, aber lieber 10 Personen) auch unter der Woche seine Tore öffnet. Aber wenn das Essen nur halb so gut ist, wie der von uns gekaufte Käse, kann man dort nicht viel falsch machen….
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=179552448738964&set=t.100000526319055&type=3&theater

3. Das Restaurant des Hotel Aurora in Lezzeno. Himmlisch. Ein Familienbetrieb aus dem Bilderbuch und mit einem Restaurant direkt am Wasser. Wir kommen seit Jahren immer wieder hier essen und wurden nie enttäuscht. Angefangen von simplen, sehr guten Pizzen, weiter ueber die „Paté di pesce del lago“ mit Toastbrotscheiben, von den „Tagliolini freschi al sapore del lago“ über den gemischten Fisch aus dem See….bis hin zum „Filetto di bue nel sugo di pepe“ (Das zarteste Fleisch, das ich seit Langem gegessen habe) alles super. Und dann noch das selbstgemachte Tiramisu …. was soll ich sagen. Himmlisch… weit entfernt von hinterhältigen Großkühlschränken mit unterkühltem Industrie-Dessert-Trauerspielen.

Wenn das alles noch nicht ausreicht, reserviert man einen Tisch im Sant´Anna in Como. Hier ist man wirklich in Italien angekommen. In einer nicht sehr ansehnlichen Gegend ein ganz hervorragendes Lokal. Die Absätze der Damen können nicht hoch genug sein und am Eingang wird bitteschön geklingelt. (Goldene Sandaletten mit 12 cm Absatz standen trotz Dauerregen bei 10 Grad neben uns!) Und selbstverständlich bekommt man in einem solchen Lokal von Welt – als Dame (ebenfalls von Welt) auch nur eine Karte ohne Preise. Mein persönlicher Tipp: Eins der Risotti probieren. Ich habe mich auf einen Rat eines Freundes nicht verlassen und konnte dann „nur“ ein Gäbelchen probieren. Großer Fehler!

Alles Tipps bei denen man garantiert keiner Touristenquetsche zum Opfer fällt. Und tripadvisor hilft ja auch manchmal einen von dem allerschlimmsten Fehltritt zu bewahren…

Achja! Ich vergaß!

Die in meinen Augen unterschätzteste Stadt in Norditalien und gut für einen Zwischenstopp auf dem Heimweg: VARESE.
Eine kleine feine Stadt, von Touristen kaum bemerkt und doch im historischen Zentrum unter den alten Arkaden des Corso Matteotti recht kuschlig. Kleine feine Lädchen für Klamotten, Feinkost, etc. und man ist bei Weitem nicht so gestresst, wie in vielen Ecken von Mailand.
Unerlässlich ist in Varese der Besuch
1. des emilianischen Lokals „Bologna“
2. der (in meinen Augen) besten Pasticceria in Norditalien: Buosi

3. der Kaffeerösterei Torrefazione Brasiliana in der seit Jahrzehnten die Zeit stehengeblieben ist und man sich aus einer Mischung aus Retro-Berlin  und 60iger Jahre fühlt und der Caffé oder Marrocchino einfach nur super schmecken! (Und nicht die „Miscela del Bar“ für zu Hause vergessen!) Die Bar ist eigentlich absolut nicht zu verfehlen. Die Duftschwaden des außerordentlich guten Kaffee werden den Weg weisen….

4. die Kunstsammlung der Villa Panza

P.S.: Wer an den Comer See fahren will, dem empfehle ich den (Frauen-!) Film zum Einstimmen: „Ein Sommer am See“ mit Vanessa Redgrave, der fast komplett in der Villa del Balbianello gedreht wurde und in den 30iger Jahren spielt. Wahlweise drehte dort auch George Lucas eine Sequenz von Star Wars und James Bond war natürlich auch schon da. Wahlweise kann man dort zur  „Happy hour“ (abendlicher Aperitivo an Mittwochabenden) in den Sommermonaten. Achja, und nichtmal für Berlusconi war es möglich diese Villa an exponierter Lage (Eigentum der italienischen Stiftung FAI) zu kaufen… Es hat dann doch nur für die Villa Belinzaghi  bzw. die Villa Comalcione gereicht.

Und dann gibt es noch jedes Frühjahr den legendären Concorso d´Eleganza (dieses Jahr 26.+27. Mai 2012) mit den allerschönsten Automobilen des alten Europa vor der überaus mondänen Villa d´Este… Und dann gibt es noch das malerische Varenna „die Perle des Comer Sees“… mit dem darüber tronenden Castello di Vezio mit einer angegliederten Falknerei (und eigenen Eulen)… und viele viele schöne Orte mehr…

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Genusshandwerker, Kulinarisches, Slow Travel / Reisen, Wo wir gerne essen

Eine Antwort zu “Oh Comer See….

  1. Das ist gemein! Dieser Bericht verursacht Fernweh und Appetit. Du hättest vor Risiken und Nebenwirkungen warnen sollen 😉

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