Grünkern = unreifer Dinkel

Na sowas! Ich oute mich offiziell als Nichtwisserin. Ich dachte das seien lediglich verwandte Getreidearten. Dabei ist Grünkern – der ´badische Reis´- unreifer Dinkel, der getrocknet wird.

Slowfood hat ja insbesondere den fränkischen Grünkern in der Vergangenheit zu den besonders schützenswerten Erzeugnisse (Biodiversität) gezählt…
http://www.slowfood.de/biodiversitaet/die_arche_passagiere/frnkischergrnkern/

Für mich persönlich war der Grünkern bislang immer eine Odenwälder Spezialität. „Odenwälder Grünkernsuppe“ – die ich persönlich geschmacklich relativ nah bei der Schweizer Verwandten (Bündner Gerstensuppe) einordne. Eigentlich seltsam, dass wir das Getreide nur gelegentlich benutzen.

Aber eine Erfolgsstory hab ich dann doch:
Neulich Sonntags war auch unser Brot ausgegangen… die Bäcker sind geschlossen. Ein trauriges Montagmorgen-Frühstück stand ins Haus. Also nahm ich diverse Mehlreste (Weizenmehl, etwas Vollkornmehl etc.), ein wenig Hefe und in Wasser gequollenen Grünkern und verarbeitete alles zu einem kleinen Kastenbrot. Freestyle pur sozusagen. Oder ein Fall von „Not macht erfinderisch“?

Und was soll ich sagen? Mein Freund mampft und mampft den halben Sonntagabend beglückt eine Scheibe Brot nach der anderen mit frischer Butter, dass bis zum Montagmorgen nur noch ein kläglicher Rest auf dem Frühstückstisch liegt. „Das war gestern einfach zu lecker“ bekomme ich zu hören… Soso..

Aber zurück zur Grünkernsuppe: Eigentlich merkwürdig, dass bei abendlichen Freundeskreis-Kochabenden nie eine Suppe aus der Küche getragen wird. Jeder kennt einen Grillabend, eine Runde Pasta, auch der repräsentative Braten oder auch Fisch… aber eine Suppe?
Sind Sie jemals zu einem Suppen-Essen eingeladen worden – oder haben eingeladen? Also ich nicht. Ich glaube das liegt daran, dass Suppen einfach als „nichts Richtiges“ angesehen werden. Aber wie satt kann man bitteschön von Gaisburger Marsch, einer Kartoffelsuppe, einer Getreidesuppe oder einem Linseneintopf werden?

Oder mein phänomenalstes Winter-Suppenerlebnis im Aostatal:
Eine „Zuppa di Cogne“ mit zimtgewürztem Reis wird am offenen Kamin mit dicker Brotschicht und würzigster Fontina d´alpeggio-Kruste in rustikalen roten Töpfen geblubbert bis der Käse Blasen schlägt und braun wird. Nach einer solchen Suppe benötigt man weder geschmacklich noch mengenmäßig ein „Hauptgericht“, allenfalls einen guten Schnaps.

Dabei muss Grünkern ja garnicht nur zu einer traurigen flachen Convenience-Fertig-Brühe mit fast hartem Grünkern verarbeitet werden.
Im Internet lese ich von „Grünkernküchle“, „Grünkern-Kirschkuchen“, „Grünkern-Salat“, „Süßem Grünkernquark“, „Grünkernserviettenknödel“, „süßer Grünkernkompott“, „vegetarische Grünkern-Gemüse-Bolognese“, mit Grünkern gefüllte Paprika, Grünkernpfannkuchen, Odenwälder Forelle mit Grünkern-Meerrettich-Risotto, etc…

Stellt sich nur noch die Frage: Woher beziehen?
Also unser Supermarkt um die Ecke hat Fränkischen Grünkern auch schon, aber das ist mir noch nicht regional genug…. also auf gehts: Für ein Wochenende im Odenwald zu einer schönen Wanderung auf Omas Lieblingspfaden (oder auf neudeutsch: Zum Trekking-Erlebnis in sauberer Luft) – mit einem Abstecher bei einer oder mehreren regionalen Mühlen.
Am allerbesten gleich am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, dem 28. Mai 2012. http://www.muehlen-dgm-ev.de/alle-muehlen/baden-wuerttemberg.pdf
Also schnell die Getreidemühlen mit Mühlenladen raussuchen, eventuell vorher für eine Besichtigung und den Öffnungszeiten anrufen – dazu noch eine nahegelegene Wanderstrecke – und schon kann es losgehen.

Wahlweise sind vielleicht solche Orte wie Siebenmühlental bei Heidelberg (9 Mühlen, leider keine mehr in Betrieb) und Allemühl bei Eberbach (7 Mühlen, nur noch eine in Betrieb) nicht umsonst an ihre Namen gekommen…

Und für den Unterhaltungswert einer solchen Wanderung mit Besichtigung nimmt man am Besten noch eine Mühlespiel (das Brettspiel) mit, was beim nächsten Rastplatz mit beim selbsteingepackten Grünkernburger die Müllereigenschaft überprüft wird.

Und wem das nicht reicht singt beim Wandern noch  „das Wandern ist des Müllers Lust“ wahlweise „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp-klapp klipp-klapp klipp-klapp“ dann kann garantiert nichts mehr schiefgehen…..

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Eingeordnet unter Ernährung, Erzeugerbesuch, Kulinarisches, Slow Travel / Reisen

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