Talk im Hirsch: Hunger und Lust

Jahresauftakt bei Slow Food Rhein-Neckar. Am Dienstag, den 10. Januar hatten Gastgeber Rolf Kienle von der Rhein-Neckar-Zeitung und Slow Food Rhein-Neckar  im Palais Hirsch Schwetzingen zu einer Diskussionsrunde geladen. Es ging um Diäten-Unfug, Ernährungslügen, Essgenuss und Fast Food. Themen, die auf lebhaftes Interesse stießen – der Saal war mit über 100 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt.

Ihr Zugang zum „täglich Brot“ ist ganz verschieden und doch haben sie einen gemeinsamen Nenner: Tommy R. Möbius, seit wenigen Wochen Sterne-Koch in der „Ente“ in Ketsch, der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, der gerade sein Buch „Hunger & Lust“ veröffentlichte, Harald Schlumpp vom Hockenheimer Johanneshof und Cyriacus Schultze von Slow Food Rhein-Neckar.

„Wir können uns jeden Tag mit Wohlgefühl belohnen, allein dadurch, dass wir uns mit Essen und Trinken am Leben erhalten, vorausgesetzt, wir können genießen“, sagte Uwe Knop. Der Buchautor räumt mit populären Ernährungsirrtümern auf und stellt vieles auf den Kopf, was bisher als naturgegeben angesehen wurde. Diäten beispielsweise sind für ihn von Übel. Denn „sie machen sicher nicht schlank“ und gelten für ihn als Versager. Mit seiner These „es kommt überhaupt nicht darauf an, was Sie essen, sondern dass Sie sich dabei gut fühlen“ sorgte er für spannende Diskussionen.

Tommy R. Möbius, der erst im Juli letzten Jahres seinen neuen Arbeitsplatz in der „Ente“ in Ketsch antrat (Schneckentisch Link), gab sich eigentlich ein Jahr, um erneut nach den begehrten Sternen zu greifen. In Wien kochte der gebürtige Leipziger im zweitbesten Restaurant der Stadt, ausgestattet mit einem Michelin-Stern. Doch schon nach einem halben Jahr wurde seine Kreativität in Ketsch belohnt. Er wurde wiederum mit der hohen Auszeichnung bedacht. Was man dazu braucht: „Fleiß, Leistung und Disziplin“, erklärte der 36-Jährige, der in der „Ente“ alles umkrempelte und der Küche einen neuen Stil gab. Am heutigen Abend berichtete er über seinen Arbeitsalltag als Sternekoch.

Harald Schlumpp, Mitbetreiber des Johanneshofs bei Hockenheim, hat sich einen Kinderwunsch erfüllt. Er wollte entweder einen Bauernhof, ein Hotel oder ein Lokal führen. „Jetzt habe ich alle drei.“ Gelernt hat er zunächst Physiotherapeut, bis es ihn nach Hockenheim verschlug. Der Bauernhof mit zwei Hofläden, Gästehaus, Restaurant und Biergarten genießt Kultstatus in der Region und wird nach einem einfachen Konzept geführt: „Wir versprechen den Gästen, auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten.“ Was nicht vom eigenen Feld kommt, kauft Schlumpp direkt in der Region ein. Er weiß von jedem Produkt, woher es stammt , wie es erzeugt wurde und nennt auch auf seiner Speisekarte Ross und Reiter. Vieles wird selbst produziert, darunter die Nudeln und Maultaschen, Patisserie, Kuchen und Brot.

Die internationale Bewegung mit dem Namen Slow Food macht sich unter dem Dreiklang GUT-SAUBER-FAIR für eine saisonale und nachhaltige Lebensmittelversorgung stark, fördert regionale Produkte, vernetzt Produzenten, Genusshandwerker und Konsumenten miteinander  und setzt sich dafür ein, dass die Bauern und Produzenten einen gerechten Lohn für Ihre Arbeit erhalten. Cyriacus Schultze ist Vorsitzender des Convivums Rhein-Neckar und bezeichnet die Kochsendungen im Fernsehen als gastronomische Pornografie. Am heutigen Abend sprach er über die Sinnlichkeit des Essens und erklärte dem Publikum, warum Geschmack keine Geschmackssache – und warum Lebensmitteleinkauf auch immer ein politischer Akt ist, mit dem wir bestehende Systeme unterstützen oder boykottieren können.

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Eingeordnet unter Ernährung, Interviews, Vorträge / Schulungen, Wissen & Genuss

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