Ist das noch Fastfood? Ein KFC Restauranttest.

In der Regel frequentieren wir Slow Foodies ja keine Fast Food Restaurants. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel! Am vergangenen Wochenende unterzogen wir das Kentucky Fried Chicken in Mannheim einem Restauranttest. Und das kam so: Meine beiden Söhne (10 + 13) hatten mich darauf aufmerksam gemacht, dass KFC kein Fastfood mehr anbiete, und schwenkten zum Beweis, stolz über ihre Entdeckung, eine Tablettauflage, die die Gäste des Schnellrestaurants informiert: „Bei uns wird auf traditionelle Art gekocht – seit 1939. Ist das noch Fastfood?“  Und tatsächlich. Überall im Restaurant, aber auch auf der Homepage des Hähnchenbraters wirbt das Unternehmen mit dieser Frage, die hübsch garniert zwischen Petersilie, Schnittlauch, Tomaten und einem hölzernen Kochlöffel platziert ist.

Von „unverfälschtem“ Hähnchenfleisch  in ausgesuchter Qualität ist da die Rede, von Kochtraditionen, einem Herz für Handgemachtes und von perfekter Zubereitung. (PDF Download) Was genau hat es mit der KFC Philosophie auf sich? Wir vom Slow Food Convivium Rhein-Neckar wollten das genauer wissen und haben nachgeforscht.

Samstag Mittag, KFC Mannheim
Die freundliche Bedienung am Tresen schaut uns etwas verwirrt an. Verständlich. Statt einer Bestellung haben wir sie zunächst mit der Frage konfrontiert, was denn bitteschön „unverfälschtes Hähnchenfleisch“ sei? Im Gegensatz zu verfälschtem Hähnchenfleisch. „Der Restaurantmanager sei gerade nicht da“, aber sie könne sich gerne erkundigen 😉  meint sie einen Tick verunsichert. Weil wir die nette Verkäuferin aber nicht weiter in die Enge treiben möchten und hinter uns einige Leute anstehen und warten,  wechseln wir das Thema und bestellen dann doch noch, und zwar ein paar Hähnchenteile und verschiedene Burger mit Hähnchenbrustfilet und Käse. Im Hintergrund hantieren die Küchenhelfer im Neonlicht zwischen riesigen Friteusen, Wärmebrücken, Öfen und Softdrink-Dispensern. Effizient geplante Arbeitsabläufe, genau festgelegte Regeln, Checklisten, Fertigsaucen mit vielen Aromen, vorgebackene Buns (Brötchenteile) aus Kartons und viele fritierte Hähnchenteile, die mit großen Löffeln und Kellen in Pappbecher umgefüllt werden.

Wie lautete die Eingangsfrage gleich noch mal: Ist das noch Fastfood? Klar doch. Was denn sonst?

Fleischbeschau.
Die Burger entpuppen sich als ziemlich trockene Lümmel. Das Fleisch ist zart aber ohne jeden Eigengeschmack, dafür dominieren Salz,  kräuterige und leicht pfeffrige Gewürze und eine fettige Note durch die (sehr dunkle) Panierung, die fast ein Drittel des Innenlebens ausmacht. Obendrauf eine winzige Scheibe Schmelzkäse (nicht ganz geschmolzen), etwas Sauce und Streifen von Eisbergsalat, die Frische suggerieren sollen. Das Brot ist – anders kann man es nicht sagen – einfach nur trocken und pappig und wird bereits eingedrückt und bei einem der Burger mit einem Riss in der Oberhälfte auf dem Teller serviert.

Dazu werden wahlweise Pommes, Maiskolben oder Püree angeboten. Wir entscheiden uns für letzteres. Ein großer Fehler, wie sich herausstellt. Das Kartoffelpüree ist ein typisches Fertigprodukt aus Flocken (rauer Geschmack mit fremdartigem Aroma), bei dem sich bereits viel Kondenswasser in der Schale angesammelt hat, und kein wirklicher Kartoffelgenuss. Gekrönt wird das Ganze von einer undefinierbaren, braunen Sauce voller Aromen und Salz – eine einzige Katastrophe.

Das Hähnchenteil ist ein Stück mit viel Knochen, fettig-faserigen Fleisch und einer Panierung, die wiederum stark gesalzen und gewürzt ist. „Original Recipe“ und ein „echtes Geschmackserlebnis“ nennt man das hier, was wir Zuhause schlicht als überwürzt bezeichnen wüden. Die Pommes sind nur lauwarm und ziemlich geschmacksneutral. Ist das noch Fastfood? Liebe Freunde, durch und durch!

Ein Blick auf die Nährwerte:
In einer Pressemitteilung teilt KFC den Verbrauchern mit, dass Hähnchenfleisch „der ideale Bestandteil einer bewussten Ernährung ist. Es enthält viel Eiweiß, wertvolle Vitamine sowie wichtige Spurenelemente und Mineralstoffe“. Das ist völlig korrekt. Vorbildlich ist auch der Nährwertrechner, den das Unternehmen auf seiner Homepage zu jedem Menü anzeigt. Ein Blick auf unsere Teller zeigt jedoch, dass Hähnchenfleisch nur einen sehr geringen Bestandteil des Menüs ausmacht. Der Verbraucher sollte unbedingt wissen, dass die frittierten Teile reichlich Transfettsäuren enthalten (bis zu 60 Prozent der für Kinder tolerierbaren Tageszufuhr). Sie wirken sich ungünstig auf die Cholesterinwerte im Blut und damit auf Herz und Kreislauf aus. Transfettsäuren entstehen vor allem beim Frittieren – und zwar je mehr, desto länger frittiert wird. Auch die Verwendung von Salz und Gewürzen muss kritisch beurteilt werden. Viel Salz prägt den Geschmack und fördert die Vorliebe für reichlich Salzen. Es bindet Wasser und könnte später den Blutdruck negativ beeinflussen. Wenn schon Hähnchenfleisch, dann doch lieber gegrillt oder aus der Pfanne, mit etwas Olivenöl, Zitrone und frischen Kräutern… (aber das ist ein anderes Thema)

Vor dem Verlassen des Restaurants geht es noch einmal zur Kasse. Wir möchten wissen, wo das Hühnchenfleisch herkommt und fragen vorsichtig an. Der Kassierer lächelt und antwortet zu unserer Überraschung sehr kompetent und freundlich: „Das ist alles Frischfleisch aus Deutschland. Wir bekommen kaum Tiefkühlware.  Und auch unsere Salate sind ganz frisch zubereitet. Weitere Informationen finden Sie auch im Internet, da gibt es eine Seite mit allen Informationen…“  Und in der Tat – auf der Homepage von KFC erfährt man viel über „marktfrische Zutaten“. Hier finden wir dann auch die Antwort auf die Frage mit dem „unverfälschtem“ Fleisch. Gemeint ist damit „natürlich gewachsenes Hähnchenfleisch und kein gepresstes, gemahlenes Formfleisch“. Aha. Ist „natürlich gewachsen“  jetzt schon ein Kriterium oder Qualitätsmerkmal, auf das man besonders hinweisen muss?  Bekommen wir demnächst in Restaurants Dinge zu hören wie „Hey Leute, unser Schnitzel ist „natürlich gewachsen“ oder „Forelle blau, ganz natürlich gewachsen“. Oder bedeutet das im Umkehrschluss, dass uns die Nahrungsmittelindustrie immer mehr gepresstes und gemahlenes Formfleisch unterjubelt? (Stichwort Analogschinken oder Surumi). Dinge über die man nachdenken sollte…

Am Ende war unser Eindruck zunächst nicht so negativ, wie man vielleicht glauben könnte. Es gab auch Positives: Die Mitarbeiter waren allesamt freundlich, höflich und bestens geschult; ihre Reaktion auf kritische Fragen war professionell und selbstsicher und ihr Auftreten war durchweg gepflegt. Und das gesamte Restaurant, die sichtbaren Teile der Küche, Ablagen, Fußböden, Tische und Stühle waren picobello sauber. Das sind Dinge, die man längst nicht in allen Fast Food Restaurants vorfindet. Positiv ist auch, dass der Konzern Geschirr, Teller und Schälchen verwendet, um den Müll zu reduzieren; leider wird das alles recht lieblos präsentiert – hier könnte man sicher noch nachbessern. Das Auge isst schließlich mit. Was die Qualität der Hähnchenprodukte betrifft, so waren wir nicht wirklich überrascht. Der Gesamteindruck war „salzig, überwürzt und zu fettig“ und KFC bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, was die Speisen betrifft. Die Testgruppe, insgesamt fünf Personen, empfand das Essen zwischen „na ja, geht so bis furchtbar“, und bezahlte für Speisen und Getränke zusammen knapp 20,- EUR. Für das gleiche Geld hätten wir auf einem regionalen Geflügelhof deutlich mehr Fleisch und bessere Qualität bekommen, dazu frisches Baguette und Getränke. Fast Food ist nicht die günstigste Art, sich zu ernähren.

Einen weiteren KFC Testbericht finden Sie übrigens auch in DER WELT.

„Marktfrisch. Natürlich. Traditionell.“ Die Werbebotschaften von KFC klingen wirklich gut und das allein wird dem Großteil der Kunden wahrscheinlich genügen. Immerhin konnte KFC  schon zweimal in Folge eine „renommierte Jury“ in allen Punkten von der Qualität der Mahlzeiten bis hin zu den gut geschulten Mitarbeitern überzeugen und wurde zum „besten Schnellrestaurant“ gekürt.  Aber reicht das?

Was, wenn wir den Vorhang der Marketingphrasen und der schönen Werbefotos zur Seite schieben und einmal hinter die Kulissen schauen? Dass die Hochglanzbilder der Burger nicht ganz mit den Produkten in der Realität übereinstimmen? Vergessen und vergeben; das machen schließlich alle so. Dass sich hinter der „renommierten Jury“ in Wirklichkeit ein paar freie Mystery-Shopper und das Deutsche Institut für Service-Qualität verbergen, einem Marktforschungsinstitut, das mit Presseveröffentlichungen gutes Geld verdient? Geschenkt.  Aber ein paar Fakten zu KFC und seinen Lieferanten sollten an dieser Stelle auch genannt werden:

Hinter dem KFC-Image vom „traditionellem Kochen“ und dem „Herz für Handgemachtes“ steht ein gigantisches US-amerikanisches Franchise-Systemgastronomie-Unternehmen. Es gehört zu Yum! Brands, dem weltgrößten börsennotierten Gastronomiekonzern, der 1997 von Pepsi gegründet wurde. Weitere Marken sind Pizza Hut, Taco Bell, Long John Silver’s und All American Food. Ein Jahresbericht des Konzerns kann hier heruntergeladen werden.  Zu den Lieferanten von KFC gehören u.a. Nestlé und Wiesenhof. Wiesenhof? Gab es da nicht Gerüchte über die Qualität des Hähnchenfleisches, Antibiotikagaben und grauslige Berichte über qualvolle Bedingungen ( ARD Report,  TAZ Bericht) unter denen die Hühner angeblich leben sollen?

Der Konzern kommentiert das auf seiner Homepage so: „KFC selbst als Unternehmen hält keine Hühner und schlachtet selbst auch keine Hühner. Wir kaufen unser Hähnchenfleisch ausschließlich bei zertifizierten Lieferanten, die den strengen Qualitätskontrollen von KFC unterliegen. KFC nimmt artgerechte Tierhaltung sehr ernst und arbeitet nur mit Zulieferern zusammen, die alle Tierschutzrichtlinien und die diesbezüglich gesetzlich vorgeschriebenen EU Vorgaben einhalten.“


Viele Kritiker werfen Zulieferfirmen von KFC Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen vor. Die Organisation PETA hat eine internationale „Kentucky-Fried-Cruelty“-Kampagne ins Leben gerufen, die weltweit mehr als 10.000 Demonstrationen beinhaltete. In Deutschland informiert die Internetseite www.kfcgrausam.de darüber. PETA hatte darum gebeten, dass KFC seine Lieferanten dazu bringen soll, die Wohltätigkeitsempfehlung des KFC-eigenen Ausschusses für Tierschutz zu übernehmen. Dazu zähle unter anderem, dass das Brechen der Gliedmaßen von Vögeln, sowie das Ertränken der Vögel in Tanks, während diese bei vollem Bewusstsein sind, gestoppt werde.
Der Schauspieler Dirk Bach veröffentlicht eine neue, grauenhafte Undercover-Recherche aus einem Wiesenhof-Hühnermastbetrieb in Bayern.

Und auf YouTube veröffentlichte Pamela Anderson ein Video über die Missstände bei Zulieferern von Kentucky Fried Chicken.


Mit all diesem Wissen bleibt dem kritischen Konsumenten und Besucher eines KFC Restaurants ein übler Nachgeschmack im Mund. Es geht dabei längst nicht mehr um die höhnische Frage „Ist das noch Fastfood?“ Es geht vielmehr darum, ob man diese Kette nicht grundsätzlich boykottieren sollte, solange KFC’s Forderungen nach artgerechter Tierhaltung bei Wiesenhof nur Lippenbekenntnisse sind.  

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Ernährung, Test, Wissen & Genuss

6 Antworten zu “Ist das noch Fastfood? Ein KFC Restauranttest.

  1. Das Regel-Ausnahme-Verhältnis ist offensichtlich schwer am Kippen. Es wird zwischenzeitlich wohl als positive Besonderheit aufgefasst (die es dann auch zu bewerben gilt), wenn Hähnchenfleisch „natürlich gewachsen“ ist – respektive so verarbeitet und gegessen wird.

    Ist (auch) dieses „natürlich gewachsene“ noch Fastfood? Die Frage ist einfach zu beantworten, wenn man (im Sinne von Slowfood) auf das Werden des Hähnchens abstellt. Zeit zum Wachsen, zum Reifen – kurz – ein Leben vor dem Tod. JA!

    Habe dieser Tage auch so eine „Werbung“ entdeckt (http://www.extraprimagood.de/2011/06/03/subway-saiger/). Schneckengruß aus Ingolstadt!

  2. Michaela

    Oh, das ist ja ganz übel. Vielen Dank an Slow Food für diesen Beitrag. Ich habe den Artikel gleich mal in meinem Freundeskreis weitergeleitet. Dass es bei den Hühnermastbetrieben schlimm zugeht, kann man sich ja denken. Aber diese Bilder öffnen einem echt die Augen, wie pervers mittlerweile die Nahrungsmittelindustrie geworden ist. (Gibt es bei SF Adressen, wo man gutes Hühnerfleisch bekommen kann?)
    Auf der Seite von YUM steht was von „a global company, feeding the world“. So? Nein danke!! Ich werde mit Sicherheit dran denken, wenn ich das nächste Mal an so einem Laden dran vorbeifahre. Essen werde ich dort jedenfalls nicht.

  3. Matts Weber

    Liebe Kurpfälzer,
    das ist ja wirklich Entsetzlich – genauso wie die Berichte/Videos von Wiesenhof! Frage ist halt, wo dies nicht so ist – haben Bresse-Hühner/Tauben eine artgerechte ‚Aufzucht‘ = Leben vor dem Tod??
    Beste Schneckengrüsse aus Karlsruhe

  4. Opfer

    Hallo,
    seit dem Bericht im Stern vor einiger Zeit kaufe ich kein Wiesenhof Geflügel mehr und gehe auch nicht mehr zu KFC, da ich Tierquälerei nicht unterstütze. Bei uns im HIT jedoch sind die Metzgerei Verkäuferinnen jedoch immer noch freudig bei der Auskunft, dass sie Ihr Hühnerfleisch an der Frischetheke von Wiesenhof bekommen daher gehe ich nur noch zum Bauernhof und zahle gerne das dreifache ( so oft esse ich kein Hühnchen, daher zahl ich dafür gerne mehr) und KFC braucht man eh nicht wirklich.

    Warum wird das Thema nicht noch mehr in der Presse bekannt gemacht???

  5. Hallo zusammen ich habe mir den Artikel durchgelesen und stelle fest, dass hier sehr über die Marke KFC gerichtet wird. Es mag sein, dass sie Fehler machen bei der Tierhaltung aber die Qualität des Fleisches und der Zubereitung wesentlich besser ist als bei Mc Donalds ! Ich würde mir gerne wünschen das auch mal Mc Donalds untersucht wird weil ich sehe das Hauptproblem mehr beim Goldenen M als bei KFC.

    Mit freundlichen Grüßen

    Martin Henkel

  6. Löwenzänchen

    Wenn man wirklich ethisch korrekt sein möchte. sollte man sich doch mal lieber überlegen komplett zu verzichten. Wie wärs mit Vegetarier werden …ist eh gesünder .

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