Das teuerste Dinner der Welt

Das teuerste Dinner der Welt ist kein ‚Großes Fressen‘ wie Marco Ferriris berühmte Orgie mit Marcello Mastroianni und Michel Piccoli und aus den 70er Jahren und auch keine Aneinanderreihung von kostspieligen Superlativen. Auch keine Gourmet-Reise mit dem Privatjet, wie sie das Frankfurter Unternehmen Sophistic-Air hier anbietet. Nein, das teuerste Dinner der Welt ist schlicht das Maß, das man kennen muss, um Gutes von weniger Gutem unterscheiden zu können.

Auf dem Tisch stehen Fleur de Sel de Guérande, knackige Salzkristalle, geerntet in den Salinen der Bretagne. Eine vollkommene Vereinigung aus Meerwasser, Sonne und leichten Wind. Tellicherry, aromatisch unvergleichlicher Pfeffer aus dem gebirgigen Hinterland der indischen Malabarküste. Beurre Bordier, leicht gesalzene Rohmilchbutter, liebevoll geknetet in einer kleinen Fromagerie in St.Malo. Und eine Flasche Chateldon aus der Auvergne, weiches, leicht süßliches Mineralwasser, das schon Ludwig XIV. schätzte.

Als Aperitif wird Champagner gereicht: Krug Clos du Menil aus dem großen Champagnerjahr 1990. Die Trauben dieses außergewöhnlichen Blanc de Blancs wachsen in der berühmten Grand-Cru-Gemeinde Le Mesnil sur Oger. Der Weinberg, umgeben von einer verwitterten Klostermauer, gilt als die beste Einzellage in der Champagne. Der Krug Clos Du Menil 1990 – von dem es in Deutschland nur wenige hundert Flaschen gibt –  wird zur Zeit mit 500 Euro gehandelt.

Das Amuse-Bouche ist ein Tartar vom besten Lachs der Welt, dem Balik ‚Tsar Nikolaj‘, geräuchert in der Schweiz nach einem alten Rezept aus der Zarenzeit. Gekrönt wird das Tartar mit einer Haube Almas-Kaviar aus dem Iran. Vergessen sie Ossietra, Beluga oder Sevruga! Almas ist das Maß in der Welt des Kaviars! Der hellgelbe Rogen stammt von den seltenen Albinostören. Das Kilo in der 24karätigen Golddose kostet 40.000 Euro.

Gänseleber mit weißen Trüffeln aus dem Piemont gönnen wir uns als Vorspeise. Der Alba-Trüffel – er riecht intensiv nach Knoblauch, Schalotten und Weichkäse – wächst zwischen den Hügeln Turins und der Küste Liguriens. Er wird wie sein kongenialer Vetter aus dem Perigord von Jahr zu Jahr seltener und teurer. Vor gut einem Jahrhundert wurden in Italien und Frankreich noch 1000 Tonnen ausgegraben, heute finden die Trüffelhunde selten mehr als 100 Tonnen.

Entsprechend die Entwicklung der Preise. Für ein Kilo des ‚weißen Goldes’ aus dem Piemont wird in den europäischen Feinkostläden bis zu 6.000 Euro gezahlt, in Asien sogar das Doppelte und mehr. Erst kürzlich hat ein Feinschmecker aus Hongkong für 125.000 Euro drei Alba-Trüffel ersteigert. Die Knollen brachten gerade mal anderthalb Kilo auf die Waage.

Zwischendurch ein kleines Häufchen Istrianische Nudeln mit dunkelroten Safran aus dem indischen Pampur. Safran wird aus der lilafarbenen Blüte des crocus sativus gewonnen und zählt zu den kostbarsten Gewürzen der internationalen Küche. Für 100 Gramm der Qualität ‚Mogra Cream‘ muss man über 1.000 Euro anlegen.

Wagyu-Steak steht als Hauptgang auf der Karte. Die Wagyus sind schwarze Rinder aus dem japanischen Kobe. Sie werden zu Lebzeiten gepampert wie Hollywood-Stars. Täglich werden die ‚wertvollen’ Körperpartien mit einem Spezialhandschuh massiert und mit Sake besprüht. Reines, unverfälschtes Wagyu-Fleisch wird nur in Japan angeboten. Das Kilo für 400 Euro. Die paar tausend Rinder, die in Kobe aufgezogen werden, reichen gerade mal, um den inländischen Bedarf zu decken. Wagyu, das in den USA, in Australien oder inzwischen auch in Europa auf den Teller kommt, stammt aus 13.000 Spermaproben, die vor zehn  Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken in die USA exportiert wurden. Japan sind diese ‚Raubkopien’ ein Dorn im Auge. Die Regierung will künftig die Züchter aus Kobe besser vor der Konkurrenz aus dem Aus land schützen. Das Landwirtschaftsministerium in Tokio plant, die Gene des Wagyu patentieren zu lassen.

Das Dessert ist die Ausnahme von der Regel. Das Beste muss nicht immer teuer sein. Khao Niau Mamuang, thailändische Mango mit Sticky Reis, kostet auf den Straßen Bangkoks 60 Baht, umgerechnet 1.20 Euro. Es geht natürlich auch teurer! Zum Beispiel in Blattgold eingelegte Nüsse. Aber, wir wollen nicht übertreiben!

Nach dem Champagner wird – zur Gänseleber und zu den Nudeln – ein Weißwein serviert. Wir empfehlen einen Le Montrachet Grand Cru 1978. Dieser große Chardonnay aus der Bourgogne wurde 2005 bei Christie’s in London für 8.100 Euro die Flasche ersteigert. Seine Farbe ist von einem lebhaften Gold und sein Aroma erinnert an Haselnuss und Honig.

Das Steak begleitet ein Chateau Mouton Rothschild 1945. Dieser Tropfen gehört zu den unvergesslichen Erlebnissen im Leben eines Weinkenners. Sein Etikett ziert eine Kreation des Malers Philippe Julian: ein V für “Victoire” als Erinnerung an das Jahr der Befreiung. 21.500 Euro kostet der Geniestreich des Kellermeisters Raoul Blondin.

Und als Digestif ein Louis XIII de Rémy Martin. Ein winziger Schluck entfesselt den Duft von Narzissen, Jasmin, roten Portwein, Curry, Safran, Passionsfrucht, Sandelholz, Veilchen, Eukalyptus und Ananas.  Mit diesem mahagonifarbenen Cognac feierte Winston Churchill 1951 seinen Wahlsieg. Die Flasche aus Bakkarat-Kristall liegt bei 11.000 Euro.

Als Gast unseres außergewöhnlichen Dinners spendieren wir ihnen Warren Buffet, die Börsen-Legende aus Omaha. Seine Anwesenheit – und die damit verbundenen Börsentipps – kosten eine halbe Million Euro. Diese Summe wurde jüngst bei einer Auktion auf Ebay erzielt. Ein kalifornischer Multi-Millionär hatte Buffet als Dinner-Gast ersteigert.

Vorausgesetzt Sie halten sich beim Kaviar ein wenig zurück, so liegt die Rechnung bei 560.000 Euro. Übernehmen sie das Trinkgeld? 10 Prozent sollte es schon sein… 😉

Weitere Infos und Links:
Die Gourmet-Bibel – Die besten Delikatessen der Welt (mit Bezugsadressen)
Wo wir gerne einkaufen – Der Einkaufsführer für die Region Rhein-Neckar

© Florian Fischer-Fabian ist Journalist, Buchautor und TV-Moderator. Im Herbst 2008 veröffentlichte er im Mosaik-Verlag ‚Die Gourmet-Bibel‘. Eine informative Lektüre über die besten Delikatessen der Welt.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kulinarisches

Eine Antwort zu “Das teuerste Dinner der Welt

  1. Thomas Grillmeier

    Da läuft einem ja erstmal das Wasser im Munde zusammen, auch wenn das Ganze nicht wirklich regional ist – besser gesagt: gar nicht!
    Sei’s drum. Fleur de Sel, Safran aus Kaschmir und Tellicherry-Pfeffer finden sich auch bei mir im Küchenschrank. Das Mineralwasser kommt in der Regel aus Schwarzwald, Eifel oder Taunus und manchmal (nach kurzen Einkaufstouren) aus dem nahen Elsaß. Auf internationale Wasser (oder neuerdings „Wässer“) kann man bei der hier vorhandenen Vielfalt getrost verzichten. Wer (wie ich) Nestlé-Produkte vermeiden möchte, für den sind Perrier und Pellegrino ohnehin tabu.
    Wie bedenkenlos man heute noch Räucherlachs essen kann, kann dahingestellt bleiben. Immerhin wurde dieser beim letzten Salone del Gusto nicht mehr zugelassen (vgl. http://www.slownews.de/archiv-juni-august-2010/salone-del-gusto-verbannt-r.html).
    Wirklich kritisch wird es allerdings bei der Gänse(stopf)leber. Zugegebenermaßen habe ich diese selbst immer gerne gegessen, wenn auch mit äußerst schlechtem Gewissen danach. Wer einmal Bilder vom Gänsestopfen gesehen hat, wird Probleme haben, das Ganze unter „gut, sauber, fair“ zu subsumieren. Hierzu eine interessante Auseinandersetzung: http://www.zeit.de/leben/geschmacksfragen/071228_randow.
    Zwischenzeitlich gibt es glücklicherweise auch „tierfreundliche“ Alternativen (www.pauliph.com/data/html/Gaenseleber_Reizthema.pdf und http://www.cercle-foie-gras.com).
    So – genug gemiesepetert – letztlich war ich wohl nur sauer, dass mein schmales Weinbudget keinen Platz für einen 78er Montrachet oder gar einen 45er Mouton Rothschild lässt. Zum Glück gibt’s auch da annehmbare Alternativen – sogar aus der Region 😉

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