Gott, ist die Sauce gut!

Slow Food zu Gast im Restaurant Wielandshöhe
Vincent Klink ist ein Multitalent: Koch, Musiker, Autor, Verleger, Slow Food Gründungsmitglied und seit Jahren Slow Food Unterstützer. In Stuttgart betreibt er sehr erfolgreich das Restaurant Wielandshöhe mit einer  hochwertigen, unverkrampften und schnörkellosen Küche. „Gutes Essen hat einen Wert – und darf keine Billigware sein. Geflügel, Fisch oder Fleisch aus der Massenproduktion gibt es bei mir nicht“, lautet das Mantra des sympathischen Küchenchefs, der vor allem durch seine Auftritte im ARD Buffet bekannt wurde.
.
Über 50 Genießer aus den Convivien Rhein-Neckar, Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart hatten sich zu der Veranstaltung angemeldet.
„Viel zu viel“, entschied der Meister und bat uns, die Veranstaltung aufzuteilen. Also fuhren wir im Abstand von 3 Wochen und in mehreren Gruppen nach Stuttgart.
Es wurde ein Fest voller Überraschungen. Doch der Reihe nach. Um einen Besuch in der Wielandshöhe zu genießen, muss man nämlich  ein paar Dinge wissen. Man kann dieses Restaurant nicht mit anderen Feinschmeckertempeln vergleichen und Klink’s Konzept kann bei manchem erwartungsvollen Gast durchaus zu Enttäuschungen führen. Filigrane Gebilde, z.B. ein Mosaik von Sankt-Jacobsmuscheln und Felsenaustern, mit der Pinzette arrangiert, werden hier nicht serviert. Pralinen von der Gänsestopfleber mit konfierter Zitrone als Zwischengang? Keine Chance! Medaillon vom Angus-Rind mit Stopfleber und Trüffeljus? Um Himmels willen! Oder vielleicht ein Tannenharz-Knusperblatt auf Mandelmilch-Gratiné? Fehlanzeige.  Vincent Klink kocht eher bodenständig. Seine Gerichte sind eine Mischung aus raffinierter Heimatküche und regionalen Spezialitäten. Auf den ersten Blick einfache Kompositionen wie Maultaschen, Krautsalat, Lauch-Quiche, Tafelspitz oder Kalbsbraten. Und dafür kann man einen Michelin-Stern bekommen?
Man kann! Denn Vincent Klink’s Definition von Luxus  ist eine andere: Es geht um die Qualität – und nichts anderes. Die Güte der Rohstoffe, der Bezug zur Region und das Saisonale sind es, die für ihn ein Luxusessen ausmachen. Das fängt bei der denkbar besten Butter an, die zu dem köstlichen Brot gereicht wird. Und hört beim Fleisch vom Öko-Bauernhof noch lange nicht auf. Mehr Slow Food geht nicht!
Das beste Restaurant kann jedoch schnell zum Frusterlebnis werden, wenn der Service und das ganze Drumherum nicht stimmen. Auch hier setzt die Wielandshöhe Maßstäbe und zaubert eine wunderbare Atmosphäre. Angefangen vom freundlichen und herzlichen Empfang, über den perfekt agierenden und extrem aufmerksamen (und gleichsam entspannten) Service bis hin zu der wunderbar schlicht-eleganten Tischdekoration – es stimmt einfach alles.
Zum Empfang wurden wir mit einem lauwarmen Stück Käse-Lauch Quiche begrüßt, danach gab es ein Amuse Bouche von Tafelspitzsülze mit blanchiertem Gemüse. Erst danach begann das eigentliche Menü. In unserem Fall:
(erste Gruppe)

  • Gegrillte Felsenrotbarbe auf Pommery-Senf-Lauch
  • Rinderkraftbrühe mit Maultaschen
  • Rosa gebratenes Perlhuhn, Mangold, Sautierte Pilze und Polenta
  • Birnentarte, Blaubeerkompott, Vanilleeis.
(zweite Gruppe)
  • Bouillabaisse-Terrine
  • Petersiliencremesuppe mit gebeiztem Saibling
  • Roulade vom Ochsenrücken, Kräuterschalotten, grüne Bohnen, Kartoffelterrine
  • Karamelisierte Ananas, Ananassorbet und Meringue Perdu
Jeder Teil des Menüs strotzte nur so vor Kraft und Geschmack und ließ uns als demütige Gäste zurück. Just am Ende des Hauptgangs, als einer der Gäste voller Bewunderung und Glücksgefühl „Gott, ist die Sauce gut!“ über den Tisch rief, lugte Vincent Klink um die Ecke. Sichtbar zufrieden über dieses Lob antwortete er „na dann ist es ja recht“, und plauderte mit uns charmant eine Viertelstunde über Produkte, Herkunft und seine Rezepte.
Das kulinarische Feuerwerk dauerte  4 1/2 Stunden und einstimmig befanden wir auf der Rückfahrt: Die Wielandshöhe bietet puristischen Hochgenuss ohne Effekthascherei. Einen klitzekleinen Verbesserungsvorschlag hätten wir allerdings auch noch: Bei der Auswahl und Zubereitung seiner Cafés könnte der Meister gelegentlich nachbessern. Der Espresso war dünn, schmeckte leicht verbrannt und war ansonsten ohne jede Aromatik. Das geht bestimmt noch besser…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Genussführer, Kulinarisches, Wo wir gerne essen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s